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Laudatio zur Vernissage am 16.9.1999
Rani B. Knobel

Tobias Arps, Kreativ Direktor
Galerie Wiedemann – Ambach am Starnberger See

Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste,

wie schön, dass Sie Zeit gefunden haben hier an diesen herrlichen Ort zu gelangen.
- Das Wertvollste in dieser schnelllebigen Welt ist es, Zeit zu haben.
Die Bilder der Künstlerin Rani Beate Knobel beinhalten eine Menge von dieser wertvollen Zeit-Qualität. Ausgebildet von einer japanischen Malerin hat sie gelernt, ihre eigenen Emotionen in Verbindung mit dem starken Zauber, einer sich noch selbst überlassenen Natur, mit allen Sinnen wahrzunehmen.
Sie sucht sich besonders schöne und liebevolle Plätze auf dieser Welt, häufig in Asien, und nimmt sich hier mehrere Monate im Jahr die Zeit , um ganz konzentriert, frei und meditativ Bilder entstehen zu lassen:
Ein Bild verrät eine Menge über den Menschen, der es erschaffen hat: In den Werken von Rani trifft man immer wieder auf ein starkes Motiv, den Baum: tief verwurzelt und hoch zum Licht gestreckt taucht er in einigen Werken auf.
Und dies sind auch die zwei Seiten ihrer Seele:
So ist die Künstlerin Rani auf der einen Seite mit dem Leben tief verwurzelt sehr praktisch, logisch, manchmal auch pragmatisch, und auf der anderen Seite besteht das übersinnliche, eine ganz feine Form der Wahrnehmung, die Sehnsucht mit den Wolken zu tanzen und nach den Sternen zu greifen.
Das Licht der Ferne, das durch die Zwischenräume der Blätter schimmert, verrät Ihre Sehnsucht nach dem Magischen Versprechen des Fernen. Und Ihre Neugierde ist es, die danach forscht, was hinter den Dingen liegt.
Und bei der Entstehung Ihrer Werke tanzt sie mit dem Baum im Wind, lässt sich auf den Schwingen der Äste treiben und findet Ruhe angelehnt am Stamm, beschützt im starken Geflecht der Wurzeln.
Ranis Malen findet nicht im Schutz des Ateliers mit Hilfe einer Staffelei statt, ihre Art zu Malen ist direkter: diese Form ist total. Das ist Höchsteinsatz von Seele, Geist und Körper. Das ist am Boden hocken, die Natur riechen, hören, sie sehen und erspüren.
Manche Bilder sind so groß, dass sie während des Malens darauf sitzt, manchmal liegt, in die Äste schaut, sich treiben lässt von der Kraft, was sie da sieht.
Das ist ein Zustand aus Bewegung und Ruhe. Das Malen passiert ohne Anstrengung, der Pinsel bewegt sich, die Farben fließen auf das Papier.
Ein Bild in der heutigen Ausstellung trägt den Namen »Deep Space«. Dieses Werk verdeutlicht, wie sehr die Künstlerin mit den Bildern lebt, sich einsetzt für die Idee und ihre Umsetzung. »Deep Space« entstand in zwei weit auseinanderliegenden Phasen und hat eine lange Reise hinter sich. Vor drei Jahren malte Sie dieses Bild in Indien, brachte es dann nach Deutschland, mit dem Gefühl, es fertiggestellt zu haben.
Kennen Sie auch diese Gefühl, sie haben etwas vollendet, kommen am nächsten Tag zurück zu ihrem Werk und mit dem neu gewonnen Abstand betrachten sie es plötzlich mit anderen Augen, und nehmen Änderungen vor?
So ähnlich ging es Rani auch. In Deutschland angekommen lag das Bild eine zeitlang an seinem Platz und beim nächsten Betrachten stellte sich dieses Gefühl ein: Du brauchst noch eine Weile im Orient. 
So reiste das Bild nach zwei Jahren mit ihr wieder zurück, um in einem dichten Dschungelgarten eine weitere Transformation zu erfahren. Nun wuchs der tiefe Dschungel auf dem Papier weiter, beschienen von der heißen Mittagssonne mit ihrem hellen, fast grellen Licht, im Kontrast zu den tiefgrünen Schatten.

In Ranis Werken ist immer auch eine Leichtigkeit und eine Gelassenheit zu spüren. Vielleicht kommt diese Wirkung durch die Welt in der sie entstehen: Geprägt durch eine Jahrtausend alte Kultur, in der die Kraft der Meditation das Leben mitbestimmt. Eine schwebende Leichtigkeit die aus der Tiefe stammt, liegt hier in der Luft und hilft uns das Mysterium des Lebens zu erspüren.

Ein weiteres Bild in der heutigen Austellung trägt den Namen »Red Flower«. Es ist stellvertretend für den Entstehungsprozess vieler ihrer Bilder. In der Nähe Ihres Hauses,dass sie in Indien bezogen hat, gibt es einen kleinen verwunschenen Park, der sie, abseits der asiatischen Quirligkeit, durch seine Ruhe, den kühlen Bach, den Gesang der Vögel, sie immer wieder anlockt, damit Sie einen Moment hier verweilt. Sie lernt ihn kennen, den Park, und beginnt eine Beziehung mit seiner Schönheit.
Ein Ausschnitt dieser Schönheit ist die »Red Flower«, die leuchtend-rot aus tiefem Dschungelgrün herauswächst. Neben einem kleinen Lotusteich reckt Sie sich ans Licht, ragt in den Weg und hat in all ihrer Zartheit eine Stärke. Und sie, Rani und diese »Red Flower« haben Zeit!
Die Künstlerin besucht diese Pflanze über Wochen, lernt sie kennen, spricht zu ihr und betrachtet sie im frühen Morgenlicht, in der Mittagshitze und im goldenen Licht der Spätnachmittagssonne. Sie lernen sich immer intensiver kennen und sie verliebt sich in diese Schönheit. Dadurch entsteht das Gefühl und der Wunsch: Dich möchte ich malen.
Es ist ein Kennenlernen, ein langsames Näherkommen, sich beschnuppern, ein Besuch, ein wieder fortgehen, wieder hinschauen.
Es ist ein Verlieben, sie beginnt die Blüte in ihrem Herzen zu tragen, denkt an sie, wenn Sie auf staubigen Straßen unterwegs ist und das Verlangen sie zu malen wird immer stärker… doch noch ist der richtige Moment nicht gekommen.
Die Blüte, die Sie als junge Knospe kennenlernte, hat sich nun ganz geöffnet, hat schon den ersten Schmelz der Jugend erlebt, und wieder vergehen einige Tage in denen Sie ihre »Red Flower« besucht, jeden Tag ihre winzigen Veränderungen mit-erlebt und es ist ein tiefes Vertrautsein entstanden.   Und dann ist der Moment gekommen, wo die Blüte zu ihr spricht: Ja, jetzt mal mich.
Sie holt ihre Materialien und setzt sich auf den Boden des Parks vor die Blüte, die sie schon so oft und lange betrachtet hat.
Sie verbringt Stunden dort, versorgt mit Essen und mehreren Flaschen Wasser, das Licht ändert sich, Menschen kommen vorbei, schauen, kommentieren das Geschehen auf verschiedenste Art und Weise, und es ist, als ob sich das Verlangen, dass sich über so lange Zeit aufgebaut hat, sich nun rauschhaft entlädt: Ja, jetzt mal ich Dich.
Ein sich Treffen in Bewegung, Abwarten wie die Farben fließen, Schönheit, Entschlossenheit, in der zerbrechlichen Stärke von Licht und Schatten, Form und Farbe, so wächst dieses Bild, Blatt für Blatt, farbiges Licht mit weißem Licht, Schicht um Schicht.

Seien sie gespannt, wie sie dieser Blume begegnen werden.Und vielleicht entdecken Sie für sich den besonderen Moment der inneren Freude in einem der vielen Werke die es hier zu entdecken gibt. 
Und vielleicht gönnen Sie sich dann auch, dieses Werk in dem Sie diesen Moment des Glücks entdeckt haben mit nach Hause zunehmen.  
Ich bedanke mich für ihr Zuhören und wünsche Ihnen schöne Erlebnisse in der Ausstellung.

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